Internet Explorer 8 stellt Web Analytics Anbieter vor neue Herausforderungen
Mit dem Internet Explorer 8 führt Microsoft das neue Feature InPrivate-Browsing ein. In diesem Modus speichert der Browser keine Cookies und keine Verlaufsdaten. Alle Cookies werden während dieser Zeit nur als Session-Daten gespeichert und nach Beenden der Session wieder gelöscht. Aktiviert wird der Modus durch Öffnen eines speziellen Tabs und kann somit parallel zur normalen Sitzung genutzt werden.
Zusätzlich zum InPrivate-Browsing besteht die Möglichkeit bestimmte Quellen zu blockieren. Somit kann der User den Zugriff z.B. auf Tracking-Server vollkommen sperren, was wiederum den Web Analytics Anbietern das Leben erschweren dürfte.
Bisher war es so, dass der User zwar auch Cookies und Verlaufsdaten löschen konnte, dies musste jedoch manuell angestoßen werden. Speziell sicherheitsbewusste Poweruser haben dieses Feature zwar genutzt aber die breite Masse der User hat davon keinen Gebrauch gemacht. Man geht davon aus, dass ca. 5% der User Cookies aktiv löschen, somit bleibt eine genügend große Masse übrig um relevante Besucherdaten zu analysieren und für die Verbesserung von Websites einzusetzen.
Nimmt nun die Ablehnung von Cookies durch Automatismen weiter zu, so wird es immer schwieriger den User über mehrere Sessions hinweg wiederzuerkennen. Zwar kann eine Session weiterhin als zusammenhängender Besuch analysiert werden aber bei einem neuen Besuch wird der User auch als neuer User gewertet. Das durchaus wichtige Verhältnis von neuen zu wiederkehrenden Besuchern dürfte also stark kippen und man hat irgendwann fast nur noch neue Besucher zu verzeichnen.
Sperrt der User gar den Zugriff auf den Server eines Tracking-Anbieters komplett so kann es dazu kommen, dass gar keine Tracking-Daten der Session mehr übermittelt werden. Interessant ist nun zu untersuchen wie sich diese Sperrung von Quellen auswirkt, wenn man 1st Party Cookies einsetzt und somit dem Browser vorgaukelt, dass der Cookie von der eigenen Domain gesetzt wird, bzw. der Tracking-Server zum selben Webauftritt gehört. Erkennt der Browser, dass die Daten in Wirklichkeit ganz woanders hingeschickt werden oder lässt er sich erfolgreich täuschen?
Ich denke hier werden sich die Anbieter in nächster Zeit verstärkt Gedanken machen müssen, denn der Internet Explorer ist und bleibt der am meisten verbreitete Browser.
Kategorie: Webanalyse




Hallo Patrick,
da hast Du Recht, das ist natürlich erst mal ein ziemlicher Aufreger – bleibt aber abzuwarten, wie groß der Impact in der Praxis wird. Bei uns im interationalen Netzwerk wird spekuliert, dass das zunächst mal die Security- und Adblock-Anbieter treffen wird (weil deren 3rd Party Blocker nicht mehr benötigt werden), und dann vor allem die Werbetreibenden. Dort insbesondere die 3rd Party Adserving Netzwerke, da nicht nur Tracking-Cookies, sondern auch 3 Party Syndicated Content geblockt wird – und Abrechnung häufig über Impressions stattfindet: Bei Block keine Impressions, d.h. keine Dollars.
Auch Behavioural Targeting auf Basis von 3rd Party wird schwierig. Die Analytics-Anbieter könnten noch den geringsten Schaden erleiden – es wird sowieso seit Jahr und Tag empfohlen, mit 1st Party Cookies zu arbeiten. Das wird jetzt endlich ein wichtiges Verkaufsargument, wenn damit die “Täuschung” von InPrivate funktioniert.
Aber wie gesagt, bleibt die Praxis abzuwarten. In D haben wir im Gegensatz zu den USA (dort MSIEx mit 80% Marktanteil) relativ viele Firefox User – wobei Firefox das InPrivate Feature wohl auch adoptieren wird, wenn es erfolgreich ist.
Außerdem bleibt abzuwarten, wie die Nutzer das Feature annehmen. Wenn viele Websites wg. dem Block auf einmal ziemlich zerschossen aussehen, wird man sich den dauerhaften Einsatz vielleicht noch mal überlegen (auch hier ist natürlich die Masse der User gemeint und nicht derjenige, der eh schon Werbeblocker einsetzt). Nicht zu vergessen: Auch MS verdient viel Geld mit Advertising.
Microsoft rechnet damit, dass 50% der User innerhalb der nächsten 18 bis 24 Monate die neue Version installieren. Wenn das so eintrifft also kein Erdrutsch in der Branche, sondern eigentlich genug Zeit für aufmerksame Anbieter aller Disziplinen, ihr Angebot anzupassen.
Gruß
karsten
Hallo Patrick,
danke für den Hinweis. Es ist ja ein bisschen erstaunlich, dass im Firefox die eingebauten Möglichkeiten zur differenzierten Cookie-Behandlung abgebaut und im Explorer eher ausgebaut werden.
Aber seis drum: Es gibt ja bereits reichlich add-ons (vor kurzem z.B. NoScript), Sicherheitsstufen, Anti-Spy-Tools, Personal Firewalls etc etc die die Nutzung mindestens von 3-Party-Cookies wackelig machen.
Also mal schauen, ob die Nutzer des neuen IE das wirklich merkbar einsetzen. Ich wäre da optimistisch – und sonst setzen wir alle Flash-Cookies ein
))
Grüsse nach Hamburg,
Frank
[...] Anmerkungen zum Internet Explorer 8 und dem neuen Feature InPrivate-Browsing kommen von Patrick Ludolph, der sich zu den Problemen, die das erweiterte Cookie-Management von IE 8 mit sich bringt, Gedanken [...]