Google und Behavioral Targeting
Das Thema Behavioral Targeting nimmt langsam an Fahrt auf, was man an den zunehmenden Artikeln in Blogs, Reden auf Konferenzen und steigender Anbieterzahl merkt.
Anil Batra hat sich in seinem Blog Web Analysis, Behavioral Targeting und Advertising mit dem Thema Google und Behavioral Targeting beschäftigt und mich zu diesem Artikel inspiriert.
Ein idealer Kandidat für Behavioral Targeting dürfte Google sein. Wer sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt weiß, dass der Erfolg beim BT von den gesammelten Daten abhängt, welche die Basis für eine Zuordnung des Users in bestimmte Segmente bilden. Typischerweise entwicklen die Anbieter von Behavioral Targeting Produkten eine Technologie und fangen dann an Daten zu sammeln, um zielgerichteten Content an die User auszuliefern. Google hat aber bereits eine Unmenge an Daten und muss diese nur noch auswerten. Schauen wir mal, wo der gemeine Surfer seine Spuren im Google Netzwerk hinterlässt.
Es geht los mit der Suche, die von jedem einzelnen Surfer mehrfach täglich benutzt wird. Darüber hat man bereits einen immensen Schatz an Informationen. Weiter geht es mit AdWords und vor allem dem Content-Netzwerk in dem die AdWords-Anzeigen in Form von AdSense gestreut werden. Auch hier gibt es wertvolle Informationen zu sammeln. Hinzu kommen Webanwendungen wie Google Mail oder Kalender, die einen enormen Schatz an persönlichen Informationen enthalten, wobei ich das Thema Datenschutz an dieser Stelle nicht weiter anreißen will. Weiteres riesiges Datensilo ist Google Analytics. Ich habe zwar keine Benutzerzahlen, aber ich glaube, dass kein Webanalyse-Tool mehr genutzt wird als Analytics.
Ausgehend von der Suche weiß Google nach welchen Begriffen ein User gesucht hat und welche Seiten er wie oft besucht hat. Durch einen Cookie kann man zwar nicht den realen Namen herausfinden, aber ich kann den User wiedererkennen. Betritt der gleiche User zu einem späteren Zeitpunkt eine Webseite aus dem Content-Netzwerk, so kann man ihm anhand seines Verhaltens die passende Werbung präsentieren. Bisher passt AdSense die Anzeigen lediglich an den Inhalt der Webseite an.
Durch GMail weiß Google ziemlich genau was der User so treibt, mit wem er sich schreibt, worüber er schreibt, was er für private Interessen hat und was er beruflich macht. Den Anfang haben die Anzeigen in GMail gemacht, welche dem Inhalt der Emails angepasst sind.
Mit Google Checkout weiß man darüber hinaus, was der Surfer gekauft hat und wo er gekauft hat, wieviel er durchschnittlich im Monat online ausgibt und … klingelt es? Ja, hier gibt es den Namen des Users auf dem Silbertablett.
Analytics ist wahrscheinlich die wertvollste Datenquelle. Sie liefert Informationen über das Surfverhalten des Users, von wo er kam, wo er hin ging, wie lange er auf der Seite war und was er für Hard- und Software nutzt.
Youtube und Blogger liefern weitere wertvolle Informationen und lassen vor allem ein sehr genaues Targeting derer zu, die zur Contenterstellung beitragen, also die Videofilmer, Fotografen und Blogger.
Was bleibt unterm Strich? Ein etwas mulmiges Gefühl was Google alles weiß oder wissen könnte über mich. Man hinterlässt überall seine Fußspuren und Fingerabdrücke und wenn man nicht gerade ein Techi ist hat man auch nicht die Möglichkeiten und den Background sich davor zu schützen. Aber ist das auch wirklich schlecht? Solange meine Identität nicht preisgegeben wird, ist zielgerichtete Werbung doch eine super Sache. Werbung nervt erst dann richtig, wenn sie einen nicht interessiert. Erhalte ich jedoch Werbung zu Produkten, die mich interessieren oder Themen die mich beschäftigen, dann nehme ich sie auch war und vor allem erhalte ich sie dann gerne. In meinen Augen liegt dort ein riesiges Potential sowohl für die Käufer als auch für die Anbieter. Bleibt nur abzuwarten wie weit es mit dem Behavioral Targeting geht. Sobald der erste Klinkenputzer vor der Tür steht weil ich einmal versehentlich auf eine Anzeige für Versicherungen geklik habe, würde ich wahrscheinlich den Paranoid-Modus im Browser aktivieren.
Kategorie: Behavioral Targeting, Webanalyse



