eMetrics uns SMX 2009 Rückblick – positives und kritisches

Die eMetrics ist gemeinsam mit der SMX zu ende gegangen und ich will einen kurzes Rückblick geben. Die Veranstaltung war wirklich super, ich habe sehr viele alte Bekannte wiedergetroffen und auch viele neue Gesichter kennengelernt. Leider konnte ich nicht an allen Vorträgen teilnehmen, da man sich doch zu oft zwischen zwei interessanten Themen entscheiden musste, den ein oder anderen habe ich dann auch verpasst, weil ich mich einfach verquatscht habe.

Den Auftakt gab Jim Sterne mit seiner Keynote, die wie immer sehr interessant war. Jim ist wirklich ein toller Redner, dem man gerne zuhört. Er ist vor allem auch der Meinung, dass Twitter aktuell eines der heissesten Themen ist. Auch wenn ich Twitter lange skeptisch gegenüber stand, so bin ich mittlerweile doch davon überzeugt, dass es ein sehr interessantes Medium ist. Follow me.

Oliver Schiffers und Ralf Haberich haben ebenfalls zu Beginn einen kleinen Überblick zur WAA (Web Analytics Association) gegeben und deren Arbeit und Ziele noch einmal vorgestellt. Interessant ist, dass es in Deutschland gerade einmal knapp über 40 Mitglieder gibt. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird. Um das Thema weiter voran zu treiben hat Ralf daher den WAALA (Web Analytics Association Late Afternoon) ins Leben gerufen. Diese Aktion begrüße ich sehr, da es meiner Meinung nach nicht an Interesse für solche Veranstaltungen mangelt, aber oft halt an Leuten, die sich um die Organisation kümmern. An der Stelle sei mir allerdings die kritische Bemerkung erlaubt, dass ich nicht verstehe wieso ein existierendes Kind einen neuen Namen benötigt. Der WAW (Web Analytics Wednesday) hat sich in den letzten Jahren etabliert und wurde bereits einige male erfolgreich durchgeführt und auch von Oliver Schiffers immer wieder unterstützt. Eine enge Bindung zur WAA existiert ebenfalls, wie auch Jim Sterne in seinem Interview mit uns auf Mole2 bestätigt. Ich würde mich sehr freuen wenn durch neue Namen die Anwender nicht unnötigt verwirrt werden. Eine kritische Bemerkung zu dem Thema muss ich mir allerdings auch von Sven Gerber auf die eigene Fahne schreiben, der zurecht meinen damaligen Vorstoß mit einem eigenen Web Analytics Forum kritisiert hat, wo es doch bereits ein Xing-Forum zu dem Thema gibt. Hier besteht meiner Meinung nach Handlungsbedarf um das Engagement der wenigen aktiven Mitglieder nicht auseinanderdriften zu lassen.

Timo Aden konnte die ersten gedruckten Exemplare seines Google Analytics Buches präsentieren und prompt wurden auch drei Exemplare vom Stand geklaut. Da können einige Leute offenbar nicht warten bis das Buch nächsten Monat erscheint.

Interessant waren auch die Sessions von Lennart Paulsen und Timo Aden von Trakken zum Thema Conversion Optimierung. Was ich hier vor allem mitgenommen habe ist die Aussage, dass Multivariates Testing nicht das Allheilmittel ist und man mit A/B-Tests oft schneller sehr gute Ergebnisse erzielen kann. Die Vorträge von Timo und Lennart schätze ich sehr, allerdings haben einige Teilnehmer (oder waren es andere Aussteller?) doch zurecht gefragt wieso Trakken drei Speaker-Slots belegt hat?

Einiges neues war auch in dem SMX-Vortrag zum Thema Reputation Management im Internet zu hören. Hier habe ich mitgenommen, dass Anwälte selten Ahnung haben was sie evtl. durch eine Abmahnung oder Klage anrichten. Schnell verselbstständig sich der nagative Online-Ruf und jede Abmahnung ist wieder ein gefundenes Fressen für die Bloggeria. Also einfach mal zum Hörer greifen bevor man mit Kanonen Anwälten auf Spatzen Blogger schiesst. Sehr enttäuschend fand ich in diesem Panel jedoch den Beitrag von Robert Basic, der erst 10 Minuten zu spät kam um dann sehr lachs ein paar Ideen in den Raum warf. Manch einer mag seinen freien Vortragsstil frisch und innovativ finden, auf mich machte es jedoch einen unvorbereiteten Eindruck. Von einer Ikone und einem Vorreiter der Online-Branche hätte ich mehr erwartet, zumal sein Name auf dem Programm mich dazu bewegt hat diesen Vortrag zu hören.

Richtig gut war Moritz Habermann vom Baur-Versand, der an einer Fallstudie gezeigt hat wie eine Testing-Kultur im Unternehmen etabliert wurde, die so weit geht, dass interne Wetten auf Testvarianten abgeschlossen werden. Sehr coole, spielerische und vor allem effektive Herangehensweise an das Thema. Cool, dass Moritz ebenfalls die Leidenschaft zur Fotografie teilt. Auch wenn es hier nicht hingehört aber schaut Euch einfach mal dieses Bild vm Brandenburger Tor an.

Das Anbieter-Panel der eMetrics bot dann viel Unterhaltung. Hängengeblieben ist, dass Mindlab 100% Datengenauigkeit garantieren kann und keine Zeit mehr hat sich mit Ausschreibungen, die aus Featurelisten der Anbieter in Excel zusammenkopiert wurden zu beschäftigen. Auch wenn der CEO von Mindlab Heinz Schultz versprochen hatte das Phrasenschwein den Phrasengenerator zu Hause zu lassen, so hat er hier doch einen Volltreffer gelandet. Bei aller Phrasendrescherei muss ich ihm jedoch zustimmern, dass kilometerlange Exceltabellen selten zielführend sind und oft eine Beratung im Vorfeld sehr viel Zeit und Arbeit ersparen kann. So wurde von vielen Teilnehmern auch die Wichtigkeit der unabhängigen Berater und der Aufbau von Beratungskompetenz bei den Tool-Anbietern betont, worauf Christian Bennefeld von eTracker in einem denkwürdigen Kommentar die Unabhängigkeit der freien Beratungsunternehmen und die Korrelation zwischen Provisionen und empfohlenen Tools kritisiert hat.

Die Vorträge, die ich gehört haben waren durchweg auf hohem Niveau, einen dicken Ausrutscher gab es jedoch meiner Meinung nach bei der Session zum Thema Suchmaschinenmarketing in Verbindung mit Webanalyse auf der SMX. Diese entpuppte sich als Verkaufsveranstaltung der präsentierenden Unternehmen Unica, AT-Internet und Omniture. Wo Unica und AT-Internet noch versuchten ansatzweise Inhalte zu vermitteln verpackte der Herr von Omniture kalten Kaffee in Screenshots vom Tool. Sorry liebe Mitbewerber, aber diese Veranstaltung ist dafür der falsche Platz.
An dieser Stelle richtet sich jedoch die Kritik an die Veranstaltungsleitung, denn meiner Meinung nach grenzt es schon an Frechheit wenn man Teilnehmern bei diesen Eintrittspreisen solche Vorträge vorsetzt. Dann doch bitte das Kind beim Namen nennen wie es richtigerweise bei der Sponsor-Session von contentmetrics gemacht wurde, die meiner Meinung nach als Gold Sponsor genug bezahlen um auch einen entsprechenden Slot zu erhalten, was dann auch im Programm gekennzeichnet war.

In einem Gespräch mit Sandra Finlay von der Veranstaltungsleitung habe ich auch die Kritik an den hohen Eintrittspreisen angebracht und sie hat mir versichert, dass sich hier etwas tun soll um im nächsten Jahr dann noch mehr Anwender zur eMetrics zu bekommen. Unterm Strich muss man den Veranstaltern aber ein großes Lob aussprechen und ich bin mir sicher, dass die Kritik an den Verkaufsvorträgen auch dort angekommen ist. Glücklicherweise waren das Einzelfälle.

Positiv ist mir als Angestelltem eines Tool-Anbieters aufgefallen wie relaxed man sich mit den Kollegen der direkten Mitbewerber unterhalten kann. Bei aller Rivalität gibt es doch keine Berührungsängste und ich konnte mich sehr angeregt mit den Kollegen Christian Sauer von Webtrekk, Markus Schmaus von Webtrends, Christian Bennefeld von eTracker und Timo von Focht von AT-Internet unterhalten.

Zum Schluß noch ein paar weitere Berichte, die mir bereits im Feedreader aufgefallen sind. Da ich bestimmt viele übersehen habe postet doch bitte weitere Stimmen zu eMetrics in den Kommentaren.

10 Gedanken zu „eMetrics uns SMX 2009 Rückblick – positives und kritisches“

  1. Schön Zusammenfassung, hätte sich der Urlaub doch gelohnt…

    zum Buch von Timo Aden, stand hier nicht immer der 1. April als Termin bei Amazon?

  2. schade, dass Dir mein Vortrag nicht gefallen hat. Bisserl Innovation statt lauter SEO-Kram und Social Media Gedöns fand ich persönlich zur Abwechslung nicht doof, daher die Wahl dieses Themas. Open Innovation und Wikinomics sind für mich die Themen, die in Zukunft wichtiger werden.

  3. Hallo Patrick,

    gute Zusammenfassung und vor allem Danke für das Aufgreifen des WAALAs. Nur, wenn die Aktiven der Branche solche neuen Formate unterstützen und weiter tragen, kann genug Aufmerksamkeit erzeugt werden.

    Und Du hast Recht, es ist quasi parallel zum WAW. Aber ich wollte nicht zuviel der privaten Zeit in Anspruch nehmen und das Ganze mehr in den “Business-Vordergrund” schieben, also weniger Netzwerk, mehr inhaltliche Diskussion. Ob das gelingt, werden die ersten Termine zeigen.

    Auch hier noch einmal der Aufruf: wer sich inhaltlich beteiligen möchte, kann sich gerne jederzeit an mich wenden.

  4. Sehr geehrter Herr Ludolph,

    gerne würde ich drei Korrekturen bzw. Richtigstellungen zu Ihrem Vortrag einbringen:

    1.) RFIs die aus unzähligen, von Featurelisten beliebiger Anbieter zusammenkopiert sind, werden von uns nicht bearbeitet.

    2.) Phrasenschwein muss heissen Phrasengenerator

    3.) Mein Name schreibt sich nicht Schulz sonder Schultz

    Ansonsten ein sehr amüsanter Überflug zur Themenvielfalt der Veranstaltung.

    Mit freundlichem Gruss
    Heinz D. Schultz
    CEO | Mindlab

  5. Moin Patrick,

    danke für die Würdigung, dass wir als Sponsor genug zahlen – dem kann ich nur zustimmen,:-) Aber selbst unser “Gold-Sponsor-Vortrag” war kein Firmenvortrag, sondern hatte sich mit dem Thema “Werbemittelnutzungpfad” beschäftigt. Einem aktuellen Thema der Analyse der Effizienz von Werbemitteln – in der Coremetrics Welt auch unter dem Keyword “Marketing Atribution” zu finden. Insofern hoffe ich, dass auch dieser Beitrag einen Nutzwert für den Einen oder Anderen hatte.

    Gruß thomas

  6. Lieber Thomas,

    ich habe Deinen Vortrag nicht gesehen und kann ihn daher nicht beurteilen. Es ging mir auch lediglich darum zu betonen, dass es schließlich sponsoed Sessions gibt und diese auch entsprechend gekennzeichnet sind, was selbst dann noch ok wäre, wenn Dein Vortrag einen höheren Werbeanteil gehabt hätte.

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