Emetrics-Summit Düsseldorf 2007
Frisch aus dem Urlaub bin ich sofort am 17.4.2007 nach Düsseldorf zum Gipfeltreffen der Webanalysten gereist. Mein Fazit vorweg: Grossartige Veranstaltung.
Die Keynot wurde von Jim Sterne, dem Godfather of Web Analytics gehalten. Er hat uns vor Augen geführt, dass die Antwort auf die Frage nach allem 42 ist. In dem Vortrag über das “Ecosystem of Web Analytics” hat er ein sehr schönes Bild von dem gamahlt, worum es eigentlich geht.
Eine weitere Keynote wurde von Raphael Nolens von Pioneer gehalten. Am Beispiel der Pioneer-Website hat er gezeigt, wie Webanalyse im Unternehmen eingesetzt wird und welche Verbesserungsprozesse mit Google Analytics erzielt wurden.
Andreas Kopf von Der Club Bertelsmann zeigte in seinem Case die Evolution des Relaunches auf Basis von User-Tests. Das neue Design wurde mit Hilfe von Remote-Tests einem Vorab-Check unterzogen und so kontinuierlich vor dem eigentlichen Launch verbessert.
Den aktuellen Stand im Bereich Behavioral Targeting hat Oliver Schiffers von United Internet Media präsentiert. Interessantes Thema, aber leider sehr technisch dargestellt.
Frank Reese hat zu Cookie Debatte referiert. Leider konnte ich diesen Vortrag nicht hören, da ich parallel im Panel von Thomas Brommund zum Thema Optimierung von Online Marketing sass.
Natürlich war Networking eins der interessantesten Dinge, die man tun konnte. Viele schlaue Leute der Web Analytics Szene kontte ich treffen, darunter auch Dennis R. Mortensen von IndexTools, Timo Aden von Google Analytics, Oliver Liesaus und Felix the Cat von WebTrends.
Mit-Bloggerin Aurélie Pols von WebAnalytics.be war anscheinend auch anwesend, aber leider hatte ich nicht die Gelegenheit sie kennenzulernen.
Kategorie: Webanalyse




[...] Weitere Berichte über die lohnenswerte Veranstaltung bei Aurélie und hier. [...]
Hallo Paddy, kurzer Hinweis, Mit-Blogger Aurelie war die junge Dame mit den kurzen Haaren
Hallo Patrick,
dafür war ich in dem Panel zur Cookie Debatte.
Dies war sicherlich sehr interessant, wenn auch der ein oder andere Punkt von Herrn Reese nicht ganz richtig war. Unter folgender URL findest Du die komplette Studie. Ich finde aber schon, dass diese Ergebnisse sehr löchrig sind, da ich die Stichprobe für nicht repräsentierbar halte. Wenn ich mir die Frage stellen würde, wie ich mich verhalten würde wenn ich an diesem Test Teil genommen hätte, dann wäre die Antwort darauf sehr einfach. Anders! Was würdet ihr machen, wenn ihr an einem Test teilnehmt um zu prüfen wie oft ihr die Cookies löscht? Dies bestätigt auch wieder eine Aussage von Herrn Reese, viele Menschen behaupten Cookies regelmäßig zu löschen, in Wirklichkeit aber tun sie dies gar nicht.
Die Debatte ist dennoch sehr interessant. Ich finde diese sollte auch dringend weiter stattfinden. Die Aussage von Herrn Reese, dass die Hersteller hier handeln und eine bessere Lösung finden müssen kann ich nicht gelten lassen. Da wir uns hier im Web befinden, stehen uns letztendlich keine weiteren Möglichkeiten zur Verfügung, das HTTP-Protokoll erlaubt einfach nicht mehr. Ein Wechsel auf Flash-Cookies (korrekte Bezeichnung ist Flash Shared Objects) ist meiner Meinung nach kein besserer Weg, da der Flash Speicher beschränkt ist und der Aufschrei groß wäre. Dies wäre für die Presse wieder ein super Aufhänger und würde die Paranoia der Menschen wieder anheizen. Macromedia wäre daraufhin sicherlich gezwungen diese Funktionalität wieder abzuschalten oder zu schützen. Es wäre nur eine kurze Lösung, deren Erfolg aber nur sicher wäre, wenn alle eine neuere Version von Flash installiert hätten.
Cookies sind nichts böses, nur haben sie ein schlechtes Image. Allerdings habe ich schon den Eindruck gewonnen, dass in den letzten Jahren die Paranoia abgenommen hat, vor allem bei der Akzeptanz von 1st-Party-Cookies. Die durchschnittlichen Werte für die Ablehnung vieler meiner Kunden, die ich betreue oder betreut habe, liegt bei 1-2% während 3rd-Party-Cookies bei >14% liegen.
Um Zuge dieser Diskussion möchte ich aber anmerken, dass ich meine Kunden nie dahin beraten habe die Zahl der Besuchererkennung als wahre Metrik zu betrachten, im Gegenteil. Ich glaube, dass in den Unternehmen, die WebAnalyse einsetzen, fähige Leute sitzen, die dies allerdings auch nicht tun. Hier möchte ich mich Jim Sterne anschließen, die Tendenz ist wichtig.
Wofür benötigen wir eigentlich die Zahl für die Unique Visitors in der Analyse? Wird diese Zahl neben den Page Views als KPI definiert? Und schließen wir aufgrund dieser Zahl den Rückschluss ob wir erfolgreich waren? Ich hoffe doch wohl nicht!
Sicherlich kann dieser Wert als einzelner KPI mit aufgenommen werden, dies ist je nach Business richtig. Wir müssen hier aber immer im Auge haben, dass es eine unbekannte(!) Unschärfe gibt. Je genauer allerdings die Visitorerkennung ist, desto niedriger ist nunmal diese Unschärfe, und das Vertrauen in diese Zahl wird nuneinmal wachsen und man kann auch Tendenzen richtig erkennen. Daher ist die Qualität der Lösung schon wichtig, es sollte immer die Lösung mit der besten Akzeptanz verwendet werden.
Eine weitere Aussage hier von mir: Wenn all die Millionen Menschen in Deutschland und die vielen Milliarden Menschen in der Welt alle regelmäßig ihre Cookies löschen (bei der Masse vermutlich annähernd gleichverteilt), können wir dann trotzdem der Tendenz vertrauen? In der Frage steckt hier schon die Antwort, ja, das können wir.
Wenn es sich z.B. um ein Portal handelt, das mit Registrierungen Geld verdient, wie wichtig ist dann die Metrik “Besucher”? Wenn wir nun betrachten wollen wieviele neue Besucher wir von Google bekommen, was machen wir wenn von Monat auf Monat die Zahl um 20% gestiegen ist? Oder ein weiteres Beispiel, wenn wir das Design unseres Auftrittes für die neuen Besucher optimieren möchten, können wir die Overlay-Darstellung für das Segment neue Besucher wirklich verwenden? Wie sieht es bei der Kampagnenberechnung aus? Wie kann es sein, dass wir eine Kampagne offline stellen aber immer noch Umsätze generieren? Dies ist nur durch die Besuchererkennung möglich, man spricht hier von verzögerter Konversion. Sind die anschließenden Umsätze niedrig oder hoch? Meiner Erfahrung nach liegt die verzögerte Konversion bei vielen Kampagnen wesentlich höher als die direkte.
Viele Grüße aus dem schönen Paderborn.
Oliver Liesaus
Hallo Oli,
vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Leider habe ich die Cookie-Debatte nicht mitbekommen, jedoch ist mir die Studie bekannt.
Auch wenn Du es nicht gerne hörst, so kennst Du ja meine Meinung: Das Tool, sorry die Software-Lösung ist nur so gut wie die Menschen dahinter. Ein guter Analyst holt Dir aus einem antiquierten Logfile-Analyzer mehr heraus als aus einer modernen Analytics-Suite. Dem entsprechend ist es auch fraglich ob die Methode der Messung sich in irgendeiner Weise negativ oder positiv auf mein Business auswirkt. Letztendlich bewegen wir uns doch eh primär in Tendenzen.
In der Diskussion geht es nicht um die Methode der Messung, sondern darum ob die Metrik “Besucher”, eine der wichtigsten Metriken, überhaupt für die Analyse verwendet werden kann/darf, dies steht mit dem Ergebnis von comSCORE in Frage.
Die Software liefert die Zahlen (das Fahrrad), der Analyst muss mit diesen arbeiten (der Radfahrer).
Stimmt, von alleine fährt das Rad natürlich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass gefahren wird, wenn man sich ein Fahrad kauft. Und ich glaube nicht, dass man aus einem Logfile-Analyzer genausoviele Erkenntnisse gewinnen kann, eine gewisse Fähigkeit schon vorausgesetzt.
Aber ich gehe halt immer davon aus, dass alle fahren und trampeln wenn sie sich ein Fahrrad kaufen. Daher ist für mich das Material schon wichtig. Tour-de-France mit einem Rennrad oder einem Hollandrad? Und wenn man nicht selber trampeln will, dann kauft man jemanden der für einen in die Pedalen steigt