Die lustige comScore-Debatte

Die Diskussion um die comScore-Studie scheint kein Ende zu nehmen. Da haben die Jungs sich richtig schön ins Gespräch gebracht :-)

Worum geht es eigentlich? In einer Studie hat comScore behauptet, dass alle Cookie-basierten Meßverfahren in der Webanalyse die Besucherzahl um den Faktor 2,5 zu hoch bewerten. Nun kann man darüber diskutieren, ob die Studie von comScore richtig ist, was jedoch nicht möglich ist so lange wir keine Details über das Erhebungsverfahren der Studie haben.

Gehen wir mal davon aus, dass es so ist und die tatsächlichen Besucherzahlen entsprechend comScore so viel niedriger ausfallen. Macht das einen Unterschied? Hätte es Auswirkungen auf mein Web-Business, wenn ich wüsste, dass ich real nur 4000 Besucher statt 6000 habe? Ich stimme da Anil Batra voll zu und bin der Meinung, dass es keinen Unterschied macht. Durch die Bereinigung würde sich weder der Umsatz meiner e-Commerce-Seite ändern, noch die Newsletteranmeldungen, Registrierungen, Downloads oder Klicks auf Werbeanzeigen. Diese Größen, die den elementaren Erfolg der Webseite kennzeichnen bleiben gleich. Was sich ändert sind z.B. Konversionsraten, statt 3% liege ich plötzlich bei 5%, auch erscheinen Anzeigen effektiver, da sich die Clickthrough-Rate augenscheinlich erhöht.

Die Entscheidungen auf Basis der Zahlen werden jedoch nicht beeinflusst. Ich muss wissen, wie meine Kampagnen funktionieren und wie es um die Usability meiner Webseite steht. Dafür benötige ich keine absoluten Zahlen, sondern Vergleichswerte aus verschiedenen Zeiträumen, die mir Anzeigen ob es aufwärts oder abwärts geht. Wichtig ist dabei die Basis konstant zu halten, bedeutet über einen längeren Zeitraum das Meßverfahren beizubehalten und nicht von einem Tool zum nächsten zu hüpfen, immer auf der Suche nach den korrekten Zahlen. Jede Web Analytics-Software liefert unterschiedliche Zahlen. Wer auf einer Webseite mal verschiedene Lösungen ausprobiert hat kennt das Spiel. Nach dem Wechsel der Software gehen die Zahlen erst einmal rauf oder runter. Welche Zahlen wirklich korrekt sind, lässt sich nur schwer herausfinden, ist aber auch nicht zwingend notwendig, solange der Trend stimmt.

Selbst wenn comScore mit ihrer Studie richtig liegt, so wird das meiner Meinung nach das Web Analytics Business nicht großartig beeinflussen. Sicherlich wird man ständig weiterforschen müssen um neuen Web-Technologien mit entsprechenden Meßverfahren begegnen zu können.

Einen Ansatz gibt es z.B. mit dem Macromedia Local Share Object (LSO). Ähnlich einem Cookie handelt es sich dabei um eine Textdatei, die nur von der Webseite gelesen werden kann, die es erzeugt hat. Ein Vorteil ist, dass das LSO nicht ohne weiteres von Anti-Spyware gelöscht werden kann und zudem ist es recht unbekannt bei den Usern, in Gegensatz zu den gebeutelten Cookies.

Es wird also weiter geforscht und fleißig entwickelt und ich bin mir sicher, dass die Großen wie WebTrends nicht schlafen werden und bereits an neuen Verfahren dran sind.

Und es steht auch immer noch die Veröffentlichung des Messverfahrens von comScore aus. Ohne dies bleibt es fraglich ob die Besucherzahlen wirklich so falsch sind, wie behauptet.