13 Gründe, warum man Piwik nicht mit Google Analytics vergleichen kann

Ich lese in letzter Zeit immer mal wieder auf einigen Blogs von einem Vergleich zwischen Google Analytics und Piwik. Fast immer fällt dabei das Fazit positiv für Piwik aus. Die Gründe sind meistens Datenschutz und Daten im eigenen Haus. Angeblich bietet Piwik auch einen ähnlichen Funktionsumfang wie Google Analytics. Sorry Leute, aber Ihr habt entweder keine Ahnung von Webanalyse oder braucht einfach nur einen besseren Counter.

Ich habe daher mal geschaut wieviele Argumente mir gegen Piwik in einer Minute einfallen. Es waren am Ende 13 und ich denke mit etwas Überlegung wäre die Liste noch länger.

  1. Keine Segmente: Sorry, aber ein Tool ohne Segmente darf sich nicht Webanalyse-Tool nennen. Braucht Ihr keine Segmente?
  2. Ziele ohne Funnels: Ziele lassen sich in Piwik definieren, aber vergleicht die mal mit den geilen Funnels in Google Analytics. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
  3. Keine AdWords-Integration: Für alle AdWords-Werbetreibenden ein echtes Killer-Feature. Bei Piwik muss ich alle Ziel-URLs manuell taggen.
  4. Keine AdSense-Integration: Gerade als Blogger mit AdSense-Anzeigen ist das doch eine sehr geile Funktion für die Optimierung der Werbeeinnahmen.
  5. Keine Events: Nutze ich ständig um diverse Interaktionen auf meinen Webseiten zu messen.
  6. Keine benutzerdefinierten Variablen: Wer seine Besucher besser verstehen will, kommt darum nicht herum. Leider gibt es auch hier ein Limit von 5 in Google Analytics.
  7. Fraglich bei High-Traffic: Wenn ich nur 5.000 Besucher am Tag habe, kann ich auch mein Tool selbst hosten, aber bei Pageimpressions im Millionenbereich dürfte man an die Grenzen kommen oder zumindest eigene Server dafür anschaffen müssen. Dann ist vorbei mit kostenlos.
  8. Keine Custom Reports: Custom reports in Google Analytics sind genial. Wer sich dort mal seine eigenen Korrelationen gebaut hat, wird nicht darauf verzichten wollen.
  9. Kein Cross-Domain-Tracking: Ich finde bei Piwik kein Wort zu Cross-Domain-Tracking. OK, bei einem Blog auf einer Domain ist das nicht so wichtig, aber jede größere Webseite hat meistens zumindest Subdomains.
  10. Unique Visitors werden über 3rd Party Cookies erfasst: Ohne Worte
  11. Kein asynchroner Tracking-Code: Asynchroner Code rockt, vor allem in Bezug auf Performance.
  12. Kein E-Commerce-Tracking: Man kann zwar irgendwie über Ziele auch monetäre Werte erfassen, aber mit E-Commerce hat das wenig zu tun.
  13. Keine interne Suche: Es gibt keine Funktion um die interne Suche zu tracken. Eines der wichtigsten Features bei der Usability-Optimierung.

Das soll jetzt kein Rumgehacke auf Piwik sein. Im Gegenteil, ich habe höchste Achtung vor den Entwicklern, die so ein Tool auf die Beine Stellen. Dafür ist das Ergebnis wirklich gut. Die Kritik richtet sich eher an die Leute, die Äpfel mit Birnen vergleichen. Piwik ist kein Webanalyse-Tool. Das ist so als wenn ich ein Fahrrad mit einem 5er BMW vergleiche. Vom Bahnhof bis in die City reicht das vollkommen aus, aber versucht man ohne Navigation, ohne Motor und ohne Getränkehalter mit drei Kindern von Hamburg nach Berlin zu fahren ;-)

16 Gedanken zu „13 Gründe, warum man Piwik nicht mit Google Analytics vergleichen kann“

  1. Hi Paddy, wir hatten irgendwann schonmal über die Unterschiede der Systeme gesprochen, seitdem habe ich mich mit Piwik auf kaum weiter beschäftigt – trotzdem eine schöne Liste, die ich gerne weiterversenden werde :)

    Am schönsten ist natürlich der letzte Satz ;)

    Viele Grüße aus Bielefeld, L.

  2. Sehe ich genau so. Piwik ist zwar (noch?) kein „echtes“ Webanalysewerkzeug. Aber ich setze es sehr gerne ein, wenn ich für einen kleinen Kunden eine kleine Website umsetze. Denn dafür reicht es nicht nur völlig aus. Im Gegenteil, der Funktionsumfang von Google Analytics wäre für diese Kundengruppe eher abschreckend, und sie würden das Tool gar nicht erst nutzen.

    Für das von mir meistens eingesetzte CMS (MODx) gibt es eine schöne Erweiterung, die direkt im CMS ein von mir vorkonfiguriertes Piwik-Dashboard anzeigt. Dort kann der Kunde dann Traffic, Trtafficquellen, Keywords ustc. auf einen Blick sehen. Und mehr will und braucht diese Zielgruppe auch gar nicht. Und da alles direkt auf ihrem (deutschen) Webspace und in ihrer Datenbank abläuft, gibt’s auch kein flaues Gefühl wegen Datenschutz.

  3. Ich kann deinen Ärger nicht ganz nachvollziehen. Beide Produkte sind für ähnliche Bestimmungszwecke und damit ist ein Vergleich legitim.
    Das oben sind übrigens keine Argumente sondern größtenteils deine persönliche Meinung. Bitte keine Äpfel als Birnen verkaufen ;)

  4. @Sebastian: Das ist nicht ganz richtig: Die Produkte sind für vollkommen unterschiedliche Zielgruppen gemacht. Es gibt zwar einen gewissen Bereich in dem sie sich überschneiden, aber der Vergleich ist in etwa wie Fahrrad und Auto.

  5. Ich benutze beide Tools, aber nur privat und nicht sonderlich intensiv. vielleicht irre ich mich, aber wie kann ich bei piwik bequem und einfach unterschiedliche zeitreihen vergleichen? bei google analytics kann ich sehr elegant zb unique visitors jan – dez 2008 / jan – dez 2009 vergleichen. entweder finde ich das bei piwik nicht oder das wird einfach nicht angeboten. für mich ein grosses manko. third pary cookies: wenn ich piwik ueber die gleiche domain hoste habe ich doch 1st party cookies, oder? ein (noch) genauerer vergleich würde mich sehr interessieren. besten dank!

  6. Moin Patrick,

    danke für das Posting – Ähnliches liegt schon ewig auf meinem Tisch (und meiner Seele) und wird/wurde nicht fertig ;)

    Wir haben Piwik jetzt in verschiedenen Projekten im Einsatz, zum Teil mit eigenen Dashlets. Für ein Basis-Reporting ist es sehr schön, für echte Analysearbeit aufgrund der von Dir genannten Punkte ungeeignet.
    Was Piwik allerdings interessant macht ist die sehr einfache und trotzdem mächtige API sowie die Arbeit mit den Dashlets. Damit lassen sich recht einfach “freie” Dashboards bauen und fehlende Funktionen implementieren. Wenn’s der Kunde zahlt ;)

    Cheers /v

  7. Ich finde ein so angaschiertes Projekt schlecht zu reden viel zu einfach.
    Wenn man sich schon so gut auskennt wie du es tust, dann unterstütze doch die Entwickler bei der Realisierung der Meilensteine.

    Eventuell bist du auch einfach zu sehr von deinem Beruf eingenommen.

  8. Lieber Lemag,
    ich habe doch geschrieben, dass ich höchste Achtung vor dem Projekt und den Entwicklern habe. Die leisten wirklich grossartiges. Dennoch wäre es falsch das Tool mit einem professionellen Web Analytics System zu vergleichen. Das ist in etwa so, als wenn eine Gruppe Maschinenbau-Studenten ein eigenes fahrtüchtiges Auto bauen. Super Leistung, aber dennoch weit weg von dem was die Autobauer vom Band laufen lassen. Meinen täglichen Weg zur Arbeit würde ich mit dem Eigenbau nicht bestreiten wollen.

  9. Hallo Patrick,
    weißt Du was bei GA auf der Ebene Übersicht / Websiteprofile los ist? Bisher konnte man dort den Vergleichszeitraum frei definieren. Nun geht dies nur noch bei einem angelegten Profil.

    Grüße
    André

  10. Super Posting. Hab es jetzt erst gelesen, aber mein Eindruck war wie deiner: Wenn man was über Piwik gelesen hatte in den letzten Monaten, dann immer wieder, dass es ja praktisch alles könne, was GA könne und dazu noch datenschutzgerechter ist. Ich finde, generell wird den Unique Visitors zu viel Bedeutung beigemessen, sie wird meist unhinterfragt verwendet. Ich glaube, hier ist eine große Dunkelziffer, gerade jetzt, wo immer mehr Leute mit unterschiedlichen Browsern surfen (Handy), ihre Cookies häufiger löschen etc…. Wohl auch deshalb taucht diese Metrik in den GA-Standard-Reports fast nirgends auf. GA hat glaub ich selbst kein sooo großes Vertrauen in seine Besuchermetrik.

    Ich versuche daher, Visits zu nehmen, wo es nur geht, weil sich diese Zahl wirklich einigermaßen akkurat messen lässt. Aber Unique Visitors über 3rd-party Cookies zu messen ist echt totaler Humbug.

  11. @André: Das ist m.E. auch Humbug. Wenn du nur die Zahle der eindeutigen Besucher an einem bestimmten Tag messen willst, ist das aber wahrscheinlich sogar genauer als über Third Party Cookies. Bei letzteren ist aber wenigstens die Wahrscheinlichkeit höher, Besucher wiederzuerkennen. Das ist wegen der dynamischen IP-Adressen heute schwer.

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